Begegnung zmittst im Atlantik

Michael Tanner | 30 November 2015
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Tatsächlich, es muss jener Katamaran sein: Als ich heute kurz nach Mitternacht zur Wache auf Deck erscheine, erwähnt Henning ein Schiff in Sichtweite. “ ‘El Viajero’, USA, Segelschiff, Kategorie B, Distanz 1.25 Seemeilen, Peilung 81 Grad” meldet das AIS. Wenn mich nicht alles täuscht, handelt es sich um das Schiff der Mexikaner, mit dem ich nach Ankunft in der Karibik Richtung Dominikanische Republik weitersegeln möchte.

Mit Herzklopfen stelle ich das Funkgerät auf Kanal 16 ein: “El Viajero - El Viajero - El Viajero, aqui Baharii - Baharii - Baharii, responde”. Nach dem zweiten Aufruf antwortet Marco’s Stimme. “Aqui: El Viajero, a que canal cambiamos? Cambio.” Meine Freude ist gross. Wir schalten auf Kanal 69 und erzählen einander die wichtigsten Ereignisse der vergangenen Tage: Allgemeiner Zustand (alles läuft rund), Wetterereignisse (heftiger Regen kürzlich), sich selbständig machende Schoten (bedingt durch plötzlich eintretene Böen), Fischfang-Erfolge (dort gut, hier mässig) und Delfinbegegnungen (beiderorts zutreffend).

Wir hatten uns in Las Palmas kennengelernt, als ich auf der Suche war nach einem Kurz-vor-Weihnachts-Segelanschluss von Santa Lucia nordwärts. Beim Abschied am Freitag vor einer Woche hatten wir uns mit den Worten verabschiedet, vielleicht begegnenen wir uns ja auf dem Atlantik. Zehn Tage später ist es tatsächlich soweit. Ein grosser Zufall. Auch wenn das Ziel das selbe ist: die Route kann stark abweichen. Die allermeisten der über 200 Schiffe, die vergangenen Sonntag auf Gran Canaria gestatet sind, werden wir, wenn überhaupt, erst in Rodney Bay, Santa Lucia, wieder sehen.

Rückblende, wegen Satelliten-Kommunikations-Verbindung und -Kosten nur kurz und stichwortartig:

Menschen auf Fuerteventura haben mich sehr herzlich aufgenommen. Mittlerweile haben wir sie, Lanzarote und Gran Canaria hinter uns gelassen und die Uhren auf Mittel-Atlantische Zeit gestellt. Die Crew hat sich gut eingespielt; die Stimmung ist angenehm, gelassen, lustig, mal laut und fröhlich und - noch häufiger - ruhig und zufrieden. Werner, unser Skipper, ist nicht nur ein humorvoller Top-Gastgeber sondern auch ein technisches Genie. Er wartet nicht nur unsere tapfere Baharii und die flinke Wimby, sondern verbessert ständig Dinge (Kabel, Kontakte, Leuchten, Pumpen, Küche,…), so dass diese, mit grösster Wahrscheinlichkeit, beim nächsten Mal länger als vier Jahre halten werden. Vor vier Jahren war das Schiff neu. Jetzt ist es nicht mehr neu, dafür besser und komfortabler.

Ich denke viel an all die lieben Menschen zu Hause und anderswo. Deshalb wollte ich euch/dich wissen lassen, dass ich gesund, zufrieden und glücklich bin. Manchmal vermisse ich euch ganz heftig.

Dieser Beitrag wurde über das Satelliten-Telefon verschickt. Die Verbindung für Daten-Kommunikation ist etwas Glückssache. Deshalb steht hier nur ein einzelner Beitrag von unterwegs. Ich wünsche allen eine gute Adventszeit und sende eine feste herzliche Umarmung. Michael


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