Ein Tag am Meer

Michael Tanner | 9 November 2015
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Am Morgen, auf dem Weg zur Haltestelle, sitzt eine Taube auf einem Zaun und fragt mich, wohin ich gehe. Mit der “Guagua”, wie die Busse hier heissen, zum Strand. Seit Jahren träume ich jeweils, wenn die Tage kälter werden, davon, auf Fuerteventura am Strand zu wandern. Heute ist es soweit.

Eine Besonderheit der Busse auf Fuerteventura ist, dass sie nur einen Fahrplan für die jeweiligen Abfahrtsorte haben. Immerhin fahren sie dort meist fast pünktlich. Eine ungefähre Reisezeit zu den Haltestellen, auch zur Endhaltestelle, suche ich vergeblich. Auch einen Linienplan mit den jeweiligen Bushaltestellen scheint hier noch niemand erfunden zu haben. Der ÖV auf Fuerte ist nicht übel; im ÖV-Check von umverkehR wäre er vermutlich nicht an oberster Stelle. Er hat also noch Potenzial.

Im Laufe der Fahrt füllt sich der Bus immer mehr. Ich komme mit Sara aus Italien ins Gespräch. Sie arbeitet als “Naturopatin” in Lugano. Sie hat also beruflich viel mit Menschen zu tun und freut sich, hier viel Zeit für sich selbst zu haben. Während ich in Costa Calma aussteige, fährt sie bis Morro Jable weiter.

Der Sotavento-Strand ist sehr beliebt bei Wassersport-Fans. Insbesondere die Kitesurferinnen kommen hier auf ihre Kosten. Ein breiter Sandstreifen trennt die Lagune vom Meer. Nach etwa zwei Kilometern gibt es eine Stelle, wo sich die beiden Gewässer verbinden. Zum Glück reicht mir das Wasser bei voller Flut beim Durchqueren dieser Stelle nur bis zur Brust. So bleiben Badetuch, Fotoapparat, Picknick, Kleider und Schuhe in meiner Tasche trocken; den wasserdichten Beutel habe ich nämlich nicht dabei.

Auch zahlreiche NaturistInnen geniessen gerne Strand und Wasser zwischen Costa Calma und der Südspitze der Insel. So bin ich hier bloss einer von vielen Menschen, welche die Gelegenheit nutzen, hüllenfrei zu wandern und zu baden. Das Wetter ist bestens. Es hat einzelne tiefe Zirren am blauen Himmel und ein lauer Wind haucht über meine Haut. Zwischendurch nehme ich ein Bad und schwimme ein wenig, um mich dann einen Moment lang unter die Sonne in den Sand zu legen. Ich habe sogar jemand gefunden, der ohne zu zögern bereit war, meinen Rücken mit Sonnencrème zu beschichten. Kommentar zu ihrem Mann (auf Deutsch): “Ich habe noch nie einem fremden Mann den Rücken eingerieben” - Lachen.

Im Verlauf des Tages sind über fünfzehn Kilometer Sandstrand unter meinen nackten Füssen durch gelaufen. Eine Hotelangestellte vom Iberico-Star in Morro Jable stellt mich mit ihrem Auto an die nächste Bushaltestelle. Dank ihr erreiche ich den letzten Bus ohne Hast. Merci!!! Sara fährt auch wieder mit der Guagua und weil wir dieses Mal am selben Ort aussteigen, verabreden wir uns zum Nachtessen mit Live-Musik im “El Capitan” von Castillo Caleta de Fuste.


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