Festival mit 'Die-In' gegen häusliche Gewalt

Michael Tanner | 7 November 2015
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Am Open-Air WOMAD in Gran Tarajal geraten wir zufällig ins “Die-In” gegen häusliche Gewalt

Auf dem Weg nach Gran Tarajal, schauen wir noch kurz bei Savimax vorbei. Daniel arbeitet auf dieser Aloe-Vera-Plantage und -Kosmetikfabrik als Marketingleiter. Viele Touristinnen und Touristen kommen täglich hier vorbei, um die Herstellung der Aloe-Vera-Produkte kennen zu lernen. Die Pflanze gilt als sehr wertvoll, wegen ihrer haut-pflegenden und anderer gesunden Eigenschaften. Auf Grund meiner Sprachkenntnisse bietet mir mein Host gleich eine Stelle für Führungen durch die Anlage an. Das klingt verlockend. Vielleicht werde ich mich nächsten Herbst an dieses Angebot erinnern…

In Gran Tarajal ist das Festival bereits seit gestern im Gange. Der Zufall will es, dass just bei unserem Eintreffen eine Demonstration statt findet. Frauen in Trauerkleidung gehen andächtig durch die Menschenmassen an der Strandpromenade. Vor sich halten sie Tafeln mit Frauennamen, Opfer häuslicher Gewalt. Der Zug hält plötzlich an, fällt um und bleibt eine Weile reglos liegen. Es folgt ein Blitzgewitter mit Kamera-Clickgeräuschen.

In den vergangenen Jahren seien Dutzende Frauen in Spanien von ihren Partnern getötet worden. Das Problem beschränkt sich nicht auf Spanien. Vielen Männern und manchen Frauen fehlt ein geeignetes Handlungsrepertoire um gewaltfrei auf Ohnmacht-Situationen zu reagieren. Vielerorts fehlt auch ein sicherer Rückzugs-Ort für Opfer.

Stark sein ohne Gewalt ist lernbar. Das kenne ich aus eigner Erfahrung.

Nun aber zurück zum Festival: Schätzungsweise zwölftausend Menschen haben sich eingefunden, um Dutzenden Musikgruppen aus aller Welt zuzuhören, zu tanzen und zu feiern. Das WOMAD ist dieses Jahr wohl eines der grössten, wenn nicht das grösste Ereignis auf den Kanarischen Inseln. Nur die versprochenen Stände mit “Essen aus aller Welt” bleiben auch nach längerem Suchen unauffindbar. Der Stand mit kandierten Früchten bildet da eine Ausnahme, sich mit seiner Auslage satt zu essen würde ich doch lieber nicht. So kombinieren wir unser Znacht mit Fisch aus einer einheimischen Bar und einer Pizza über die Gasse.

“Gran Tarajal” ist in Chilbi-Stimmung.

Dani hat eine Arbeitskollegin am Telefon. Sein Auto sei verbotenerweise beim Polizeiposten abgestellt worden. Ein Wachtmeister habe die Besitzerin (die Firma) angerufen und auf diesen Sachverhalt aufmerksam gemacht. Wie cool ist eine Polizei, welche anruft, bevor sie einen falsch parkierten Wagen abschleppt? Mein Kollege ist schnell vor Ort und kommt gar ohne Busse davon. Damit hat Fuerteventura bei mir einen weiteren Sympathiepunkt erlangt. In Zukunft wird mein Gastgeber beim Parkieren wohl genauestens darauf achten, ob ein Trottior-Randstein gelb bemalt ist oder nicht.

Zum Schluss dieses Beitrages: Das Programm des Festivals auf einem Bild.

Für morgen haben wir einen Ausflug in die Dünen geplant. Was wir dabei erleben erzählt der nächste Beitrag.


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