Ein heller Morgen ohne Sorgen...

Michael Tanner | 4 November 2015
Leadimage zum Post Ein heller Morgen ohne Sorgen...

Es ist schön, heute ausschlafen zu dürfen. Trotzdem bin ich schon vor Sonnenaufgang hell wach. Ein neues, lebendiges Gefühl durchströmt meinen Körper. Es herrscht quasi Flaute; wir fahren seit vier Uhr morgens mit Motor. Die Sonne begrüsst drei Menschen, die schon wach sind. Ich schiebe Brötchen zum Aufbacken in den Ofen und stelle die “Gasfunktion” ein. Strom würde zuviel an der Batterie nagen, wenn der Generator nicht eingeschaltet ist. Zwar haben wir Solarzellen auf dem Deck, leider funktionieren sie derzeit nicht, also verwandeln wir fossile Energieträger (Diesel und Gas) zu Kraft, Wärme und Kälte. Wenn der Generator eingeschaltet wird, um die Batterien zu laden, wird nach Bedarf und Möglichkeit auch gleich der Induktions-Kochherd, die Abwaschmaschine, die Waschmaschine und die Wasser-Entsalzungsanlage in Betrieb genommen. Somit wird die entstehende Energie möglichst gut genutzt. Und es hat dann auch wieder warmes Wasser zum Duschen, was seit heute morgen wieder ohne Dauer-Achterbahn-Feeling möglich ist. Unserer komfortablen Ausrüstung wegen wird unser Schiff auch Luxus-Katamaran genannt. Und ich bin, wenn ich ganz ehrlich bin, nicht unfroh über die Ausstattung.

Auf dem Vorderdeck geniesse ich meine Morgenübungen in leichter Hose und “oben ohne”. Später tausche ich mich mit Kaj und Svenja übers Velofahren aus. In Frankreich durften sie öfters in Gärten von Einfamilienhäusern übernachten. In Spanien war das offenbar schwieriger.

Einer der beiden Schiffs-Antriebsmotoren ist ausgefallen. Mit Werners geschickter Hand, Geduld und Präzision dauert die Panne nicht lange. Es reicht, wenn einer der beiden Motoren läuft.

Nach zwei Uhr packt mich der grosse Hunger und zehrt mich an den Herd. Bisher haben jeweils andere, seegangbeständigere Leute gekocht, vor allem Werner. So koche ich heute ein Risotto mit Peperoni, Rüebli, Tomatensauce und Sauerrahm und rüste einen Salat dazu; gemächlich und sorgfältig, damit ich mich nicht wegen einer Welle selbst schneide oder mich am Gasherd verbrenne. Das Essen findet Anklang und ist, nachdem in den vergangenen zwei Tagen mehr gekotzt als gegessen wurde, in der Menge deutlich zu knapp berechnet.

Wir sagen der Sonne “auf Wiedersehen”.

So fahren wir dem Abend entgegen. Bei Dunkelheit legt Werner das Video eines Konzertmittschnitts von Bruce Springsteen, London, 1975 ein. Der Sound ist eindrücklich, die Bilder stark. Nur mein Schlaf ist stärker, so lege ich mich um neun Uhr in “die Wiege”. Den wieder munteren Motor unter meinem Kopfkissen höre ich nicht lange…


Über den Autor

Auf sinndrin.ch suchen

StartPage


Die Suche öffnet in einem neuen Fenster. Powered by startpage.com, der diskretesten Suchmaschine der Welt.

×