Fische füttern

Michael Tanner | 2 November 2015
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Seit zwei Uhr sitze ich am Steuer und halte Wache. Auf dem Radar kann ich nachschauen, wie die Schiffe um uns heissen, wo sie hinfahren sowie wann und in welcher Distanz wir sie kreuzen werden. Falls ein Schiff zu nahe kommt müsste ich den Skipper wecken. Dazu muss ich darauf achten, dass der Wind 22 Knoten nicht überschreitet, ansonsten wären die Segel zu reffen. Fährt der Katamaran mehr als 45 Grad in eine andere Richtung als geplant, sollte ich ebenfalls Werner informieren, damit wir die Segel richten und allenfalls das Schiff wenden können. Der Autopilot berücksichtigt den Wind und justiert die Fahrtrichtung bei sich ändernden Windrichtung von selbst. Fängt es an zu piepsen, quittiere ich mit einem Knopfdruck, dass ich die Änderung der Windrichtung und des Kurses zur Kenntnis genommen habe. Kaj und Svenja lösen mich um halb vier ab und ich kann mich wieder meinen wackeligen Träumen widmen.

Es spritzt und zischt, wackelt und rackelt, schaukelt und schüttelt und rüttelt, bauscht und rauscht und braust, gischt und prischt und ächzt und kracht am und im Schiffsrumpf. Und entsprechend rumst und bumst es unter meiner Schädeldecke. Das arme kleine Ding kocht im Topf. Nach dem Aufstehen fühlt sich mein geschüttelt- und gerührter Magen schwindelig. Ich weiss jetzt, woher der Berndeutsche Ausdruck “mir isch Schturm” kommt. Dabei war es noch kein Sturm, nur etwas stürmisch. Das für den Katamaran - je nach Wellengang - typische unregelmässig seitlich-diagonale Schwanken ist gewöhnungsbedürftig. Zu fünft füttern wir unfreiwillig und abwechslungsweise Fische. Am Nachmittag freut sich mein Bauch, dass er eine kleine Mahlzeit behalten kann. Nötige Energie für den Körper. Halloween ist vorbei.

Einmal, als ich wieder in der Koje liege schaut Werner vorbei und erkundigt sich nach meinem Zustand. “Solange ich flach liege und mich nicht bewege geht es ganz gut”, antworte ich. Werner: “Ich weiss wie das ist, bei meiner letzten Arbeitsstelle ging es mir genau so”. Werners Humor tröstet mich ein wenig über die Situation hinweg. Sobald ich mich aufrichte muss ich mich beeilen, möglichst bald nach draussen steigen, mit den Augen einen Punkt am Horizont fixieren und tief durchatmen. Das hilft.


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