An Bord der Baharii

Michael Tanner | 1 November 2015
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Nach einem ausgedehnen Frühstück fährt mich Marie zum Hafen. Und schon wieder ist es Zeit für einen Abschied und “auf Wiedersehen”. Ich möchte dir, Marie, an dieser Stelle noch einmal für deine Gastfreundschaft danken.

Meine Gespanntheit und Nervosität von gestern Abend und heute Morgen verfliegt, sobald ich das Schiff sehe. Ein unangemeldeter fröhlicher Gast besucht uns, kaum bin ich auf dem Schiff. Der Spatz schaut mich mitteilungsfreudig an. Ich denke ans Lied: “Kommt ein Vogel geflogen (…) von der Mutter ein Gruss”. Wie oft haben wir dieses Lied zusammen an der Sense gesungen? Eine schöne Erinnerung, zum Start der Segelreise. Meine Mutter und ich, wir haben jetzt ein dauerhaft gutes Verhältnis. Ich bin froh, dass wir beide als Erwachsene offen waren, Dinge zu klären, so dass ich heute den Eindruck habe “so wie es ist, ist es gut”.

Svenja, Kaj und Michael sind noch am Einkaufen und stossen später zu uns. Urs, Vinzenz und unser Skipper Werner sind bereits an Bord. An der Schiene des Grosssegels wird etwas repariert. Werner hat sich per Fernsteuerung über die elektrische Winde 20 Meter am Mast hochgezogen. Urs sorgt unten dafür, dass die Schiene nicht nach unten weg rutscht.

Die Fahrräder von Kaj (20) und Svenja (18) werden aufs Beischiff (“Wimby”) gezurrt. Die beiden Geschwister sind von Rheinfelden (D) nach Vilamoura geradelt. Uns verbindet somit eine ähnliche Erfahrung. Die beiden haben früh erkannt, dass es entlang der Küste (wegen dem vielen Verkehr) “nicht lustig” ist und fuhren deshalb bald einmal Richtung Landesinneres. Ich bestätige, dass sie (meiner Ansicht nach und im Gegensatz zu mir vor 18 Jahren) eine weise Entscheidung getroffen haben.

Alle Vorräte werden aufgelistet, Kühlschränke enteist, geputzt und aufgefüllt, der Plan für die Nachwache erstellt. Wir richten uns ein. Tom und ich, wir teilen uns eine relativ grosszügige Koje mit eigenem WC und Dusche. Sein Flugzeug ist am Abend nach einem Sonnenuntergng wie aus dem Bilderbuch gelandet.

Kurz nach neun Uhr beziehen wir unsere Rettungswesten und erhalten eine viertelstündige Powerpoint-Instruktion. Werner erklärt, dass sein Katamaran (mit zwei Rümpfen) ein “ganzes Schiff” sei. Schiffe, welche nur einen Rumpf haben hingegen, werden von ihm als “halbes Schiff” bezeichnet. Um zehn Uhr liegt der Hafen von Vilamoura hinter uns. Wir machen uns mit dem Autopiloten, dem Radarbildschirm und den anderen Anzeigen vertraut.

Weil ich mitten in der Nacht Wache halten werde, lasse ich mich bald einmal in den Schlaf schaukeln. Morgen werde ich nicht mehr gemütlich auf dem Vordeck “chillen”…


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