Auf der Quinta

Michael Tanner | 23 Oktober 2015
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Das Haus der Quinta - von aussen unspektakulär, innen wie ein Schloss

Im Park des Hauses der Quinta riecht es nach Rosmarin, Jasmin, Erika, Eukalyptus und Rhododendron. Es ist für mich der Duft, den ich mit Portugal verbinde. Es kommt mir heimelig vor. Ende der neunziger Jahre bin ich mit dem Fahrrad nach Portugal gefahren und habe zweieinhalb Monate in der Algarve verbracht. Es erstaunt mich, dass es hier im Zentrum des Landes so ähnlich duftet.

Als ich ins Haus trete, habe ich den Eindruck, in den Rittersaal eines Schlosses zu treten. Nur sind hier keine Rüstungen und Waffen ausgestellt. Die Decke schwebt mindestens fünf Meter über uns, der Wohnraum wirkt grosszügig. Es hat wenige Möbelstücke. Das hübsche rosskastanien-braun der glänzend polierten Holzböden, die Einbau-Schranktüren in Eibenholzfarbe, die gelben Fensterläden, der warme Wandschmuck, lassen vermuten, dass hier eine geschickte Innendekorateurin am Werk war. Alles macht einen gleichzeitig rustikalen wie edlen Eindruck und passt stilvoll zusammen. Es riecht holzig frisch. Zu Beginn fühle ich mich in der weite des Raumens fast etwas verloren, gewöhne mich jedoch schnell daran.

Nachts ist es wunderbar ruhig. Ich schlafe durch. Der Morgen erwartet uns mit wolkenlos blauem Himmel.

K. achtet auf ausgewogene Ernährung. Täglich gibt es feine Gemüsesuppen und Salat. Wir erzählen einander von früheren Zeiten. Wir tauschen uns aus darüber, was wir im Leben bisher gelernt haben und stellen fest, dass wir immer auf der Reise sind, auch dann, wenn wir sesshaft sind. So haben wir den Eindruck, laufend dazu zu lernen und Konsequenzen aus hinzugewonnenem Wissen und neuen Erfahrungen zu ziehen.

Was bedeutet das konkret? Es kommt mir das Beispiel mit meinem Bankkonto in den Sinn. Da meine frühere Bank, es handelt sich dabei um Postfinance, nicht bestätigen konnte, dass sie kein Geld in Waffengeschäfte (Rüstungsindustrie) investieren würde, habe ich mein Konto dort bald aufgehoben. Seither verwaltet die ABS mein Geld. Es macht für mich wirklich einen Unterschied, wo ich meine Energie hinein gebe. Das ist das mehr als nur Depressions-Prophylaxe. Es macht mir Freude, zu wissen, dass mein Geld nachhaltige Unternehmen und Bauten finanzieren hilft. Da ich es nicht als sinnvoll erachte, dass Geld sich vermehrt, verzichte ich auf Zins. Es freut mich, dass ich geben kann, dort wo ich geben möchte und wo ich es kann.


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