Was ist dein grösster Wunsch im Leben?

Michael Tanner | 22 Oktober 2015
Leadimage zum Post Was ist dein grösster Wunsch im Leben?

Eindrücke einer Reise Richtung Süden

Es erstaunt mich, dass ich recht gut geschlafen habe. Jemand hat mir vor langer Zeit ein Halskissen für lange Busreisen geschenkt. Das hat sich nun total bewährt. Auch bewährt hat sich, dass ich vor Abfahrt viel Picknick, darunter auch gesunde Lebensmittel, mitgenommen habe. Mit dem Schreiben bin ich grad etwas überfordert. Möchte gerne etwas Inhalt im Blog haben, damit ihr nachvollziehen könnt, wie es mir geht auf meiner Reise. Gleichzeitig fühle ich mich etwas dumpf in diesem Car. Zum Teil sind die Vorhänge gezogen. Ich sehe wenig von dem, was ausserhalb des Busses läuft. Die Führerkabine ist nach unten versetzt und deshalb gibt es, für jene, die nicht vorne sitzen, wenig Aussicht nach vorne. Es kommt mir vor, als ob ich in meinem Leben auch manchmal so unterwegs wäre, ohne dass ich genau sehe, wohin es geht. Ich kann nur einen Teil der Realität wahrnehmen und auch nur aus meiner Perspektive. Würde ich am Steuerrad des Busses sitzen hätte ich die ganze Übersicht über alles was vor uns liegt. Ich will am Steuerrad meines Lebens sitzen und diese Rad bald gegen eine Pinne tauschen.

Mit meinem Sitznachbar (vgl. gestrigen Beitrag) habe ich Glück. Weder will er die ganze Zeit reden, noch ständig schweigen. Das entspricht mir. So tauschen wir uns aus über wohnin wir fahren und woher wir kommen - nichts “Grosses” und doch ist es in diesem Moment wichtig.

Später frage ich Ihn, was sein Lebenstraum sei. Jetzt beginnen seine Augen zu glänzen. Er muss nicht überlegen. Eine Reise nach Australien.

<img class=”leadimage left” width=”250” title=”Wer etwas ändern will muss auch einmal Umsteigen. Umsteigeort “Suco” bei Burgos (Spanien)” src=”/images/blog/unterwegs/2015-10-21-umsteigen-suco.jpg”> Bei der Gelegenheit frage ich mich auch selber, was mein Lebenstraum sei. Ich träume von einer Welt ohne Waffen. Von einer Welt wo sich Lebendiges entfalten kann. Wo Menschen zu einander acht geben, egal ob jemand verwandt oder fremd ist. Unabgesehen davon, ob jemand aus wirtschaftlichen Gründen etwas unternimmt oder aus Liebe zum Leben oder einfach weil es das Leben mit sich bringt an einem bestimmten Ort zu sein. Ich träume von einer Welt ohne Herrschaft. Das sind “Annäherungsziele”, keine “SMART-Ziele”. Es ist mir klar, dass ich in einem System lebe, wo solches nicht von heute auf morgen möglich ist. Ich sehe allerdings, wie vieles “im Kleinen” gut und menschlich funktioniert. Es ist mir auch klar, dass ich selber oft gescheitert bin - das hält mich nicht davon ab, weiterhin zu probieren, mich ein Stück menschlicher, friedlicher zu verhalten. Ich wünsche mir, dass es klappt und dass ich besser sehen kann.

Nach dem Umsteigen habe ich einen Fensterplatz weiter vorne, im Car mit besserer Aussicht.

SMS an meine Tante: In einer Stunde bin ich bei dir!

Dieses Portalegre ist nicht zu verwechseln mit Porto Alegre in Brasilien. Portalegre liegt 200 km weg von der Küste im “Alentejo”. Mit mehr oder weniger Aussicht: Nach gut dreissig Stunden Reise bin ich (vorläufig) am Ziel. Wie schön ist es, bei Ankunft meine liebe Tante in die Arme schliessen zu dürfen. Wir haben einander mehrere Jahre nicht gesehen.


Über den Autor

Auf sinndrin.ch suchen

StartPage


Die Suche öffnet in einem neuen Fenster. Powered by startpage.com, der diskretesten Suchmaschine der Welt.

×