Erster Abschied und Aufbruch in Basel

Michael Tanner | 4 September 2015
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Unsere Obertöne erfüllen das Gewölbe der Krypta. Martin, Marlies, Peter und ich, wir haben uns in der Leonhardskirche zur Freitagsandacht eingefunden. Marlies liest ein Gedicht für Martin. Und Martin seinerseits, liest ein Gedicht zu meinem Abschied:

Für ein Kind

Ich habe gebetet. So nimm von der Sonne und geh.
Die Bäume werden belaubt sein.
Ich habe den Blüten gesagt, sie mögen dich schmücken.

Kommst du zum Strom, da wartet ein Fährmann.
Zur Nacht läutet sein Herz über das Wasser.
Sein Boot hat goldene Planken, das trägt dich.

Die Ufer werden bewohnt sein.
Ich habe den Menschen gesagt, sie mögen dich lieben.
Es wird dir einer begegnen, der hat mich gehört.

(Günter Bruno Fuchs)</i>

Drei Mal stille Meditation. Klänge und Gedanken dazwischen. Bei süssen Taizégesängen zu viert tönt es als wären wir ein grosser Chor. Es kommt mir gar vor, als würden Engel mit uns singen.

Anschliessend bin ich zum Zmittag eingeladen. Ich hatte bereits bei der Hinreise darüber gehirnt, wieder mehr Gemüse essen zu wollen. Es ist als hätte Martin meine Gedanken erraten. Es gibt eine wunderbare Mischung aus verschiedensten Bio-Saison-Gemüsen. Sie bilden ein farbenprächtiges Stilleben und schmecken noch feiner und süsser als sie aussehen. Martin bewirtet mich wie ein Kaiser. Mein Freund gibt mir auch Tipps, wie ich meine Berichte lebendig halten könnte. Kurze Sätze machen, darüber schreiben, was mich bewegt hat. Nicht vorwiegend von meinen Gefühlen schreiben, sondern darauf zählen, dass Gefühle bei Lesenden entstehen können. Bilder hinzufügen. Ob es mir gelingen wird? Martin hat viel Erfahrung mit weiten Reisen. Er ist nicht nur zu Fuss vom Bodensee nach Santiago der Compostela, von Basel nach St. Petersburg oder nach Jerusalem gegangen, nein, auch von Küste zu Küste der USA ist er gewandert. Und aus jeder seiner Wanderungen sind Kunstwerke von Büchern entstanden. Martin hätte mir auch noch Tipps für die Atlantiküberquerung geben können. Schliesslich ist er mit vier anderen als erster mit einem Solarkatamaran über den grossen Teich gefahren.

Im Nu ist es später Nachmittag, Zeit sich zu verabschieden. Mit der Fähre überquere ich den Rhein und begebe mich zu Fuss über die Münstertreppe in Richtung Bahnhof. Mit jedem Abschied ist ein Neuanfang verbunden. So habe ich mich schon heute quasi auf die Reise begeben. Und ich weiss es dauert noch sechs Wochen bis zum Aufbruch Richtung Portugal.

Am Abend treffe ich mich mit Roger und Sabine und erzähle ihnen von meiner Idee, jeweils über die Reise zu schreiben. Die sinndrin genossenschaft arbeitet im Zeichen der Nachhaltigkeit und der Menschlichkeit. Diese Haltung entspricht der meinigen. So entscheide ich mich, gleich Genossenschafter zu werden. Sabine erklärt sich bereit, jeweils meine Texte zu korrigieren und aufs Netz zu stellen. Roger bietet mir Platz auf der Website und bereitet die Struktur vor. Ich freue mich riesig auf unsere Zusammenarbeit. Mein Herz ist trunken vor Freude und Dankbarkeit. Der ZEN-Anteil in mir rät zur Gelassenheit.


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